Und wenn dann in den nächsten Tagen Regen auf die in der Dauerschere
stehende Mühle fällt und die beiden unteren Flügel sich
so richtig vollsaugen, dann ist er wieder da - der erste Tag des Verfalls.
Ab jetzt muß wieder gespart werden um Rücklagen zu bilden
für die im Dauerstillstand resultierenden Verrottungsschäden.
" in spätestens 5-6 Jahren müssen die Flügel wieder repariert
oder besser gleich - aus Sicherheitsgründen - erneuert werden"
So die Worte von Ernst Hoop, einem versierten Mühlenbauer aus Schleswig-Holstein.
Und so geht`s dann munter weiter - überall: die im Ruhestand befindliche
Mühle entpuppt sich so als Faß ohne Boden - ein Groschengrab
im wahrsten Sinne des Wortes.
Spätestens jetzt müssen Stimmen laut werden, die eine solche
pure Geldverschwendung mit dem laut vernehmlichen Ruf "EIN SKANDAL"!!!
quittieren.
Und in der Tat: landauf und landab werden Millionenbeträge in Mühlenatrappen
investiert, die als unbewegliche Gerippe stehend freihändig verkommen.
Ein Schlag ins Gesicht für die vielen Müllergenerationen,
die sich darin krummgeschuftet haben.
Abschreckendstes Beispiel in diesem Zusammenhang ist der längste
"Mühlenfriedhof" Europas im Raum Minden/Westfalen, wo ich unlängst
- und überflüssigerweise - von 40 "Mühlen" ca. 30 abradelte.
Davon waren 29 nur von außen zu besichtigen und verharrten in
ewiger Arbeitsruhe. Einzige "Aktivität": Ein Plakat an der fest
verschlossenen Eingangstür, das auf den Mühlentag hinweist,
der hier vor drei Wochen stattfand.
Ein Trauerspiel!
Was die staatlich gelenkten Mühlenstillegungen der sechziger Jahre
eingeleitet haben, vollenden jetzt MühlenliebhaberInnen, die das
Beste wollen ( Erhaltung der Mühlenkultur), aber oft aus Unkenntnis
das Gegenteil bewirken ( Zerstörung durch Stillstand ).
So weit, so schlecht!
Was ist jetzt zu tun?
Bevor ich jetzt die wesentlichen Grundsätze zum Thema Mühlenerhaltung
anspreche, die zu einem Schwenk innerhalb der Mühlen-Renovierungs-Logik
führen sollen, muß eine Vorbedingung bzw. ein Zusammenhang
allen Beteiligten restlos klar sein oder werden:
Wenn eine (Naturkraft- ) Mühle erhalten werden soll, dann bedeutet
dies: sie muß wieder in den Funktionszusammenhang überführt
werden, für den allein sie einstmals aufgestellt worden ist. Das
heißt, sie muß wieder betrieben werden!
Die Frage, ob eine solche Mühle überhaupt in der heutigen
Zeit wirtschaftlich betrieben werden kann, bedarf natürlich für
den jeweiligen Standort der eingehenden Prüfung. Auch dazu habe
ich einige Aspekte vorgeschlagen, möchte mich jedoch innerhalb
dieses Textes schwerpunktmäßig mit den technischen und personellen
Voraussetzungen befassen, die zum Betrieb einer Mühle gegeben sein
sollten.
Also! Nachdem die Einsicht, daß Erhaltung der Mühle = Betrieb
der Mühle bedeutet, sich bei den Beteiligten eingenistet hat, komme
ich nun zur Beschreibung der aus dieser Erkenntnis erwachsenden Konsequenzen.
Davor jedoch noch eine letzte Klarstellung: unter Betrieb verstehe ich
die tägliche, unternehmerisch-kommerzielle Müllerei
mit Bäckerbelieferung und Kleinverkauf ab Mühle. Daß
dieses Spektrum noch ausgeweitet werden muß, etwa auf Mühlenführungen,
Teestube, Veranstaltungen u.ä. versteht sich von selbst.
So, nun geht`s endlich los!
Nehmen wir mal an, daß die Menschen in der Gemeinde Feuer und
Flamme sind von der Idee, daß ihre alte Mühle - die sich
schon im Besitz der Allgemeinheit befindet - wieder zum laufen und sogar
arbeiten und was produzieren soll...
Nehmen wir weiter an, daß dafür - um eine Summe zu nennen
- 100.000,-DM zur Verfügung stehen...;
dann werden jetzt folgende Bereiche der Reihe nach begutachtet:
A. Der wirtschaftliche Aspekt
B.
Der personelle Aspekt
C.
Der technische Aspekt
Zu A. Bevor nun die erste Mark in den Wiederaufbau gesteckt worden ist,
muß zunächst einmal - bezogen auf den jeweiligen Standort
- die Akzeptanz für die absetzbaren Müllereiprodukte eingehend
erkundet werden... also:
Frage 1: Besteht z.B. bei der ortsansässigen Bevölkerung ein
Bedarf für frisch gemahlene Vollkorn- oder Flockenprodukte bzw.
kann dieser durch wirksame Öffentlichkeitsarbeit geweckt werden?
Frage 2: Gibt es im Einzugsbereich der Mühle Bäcker, die beliefert
werden können?
(Hierbei spielt es eine entscheidende Rolle, ob es sich um einen noch
handwerklich orientierten Betrieb handelt oder um eine Backstraßen
- bzw. Tütenaufreißbelegschaft )
Frage 3. Welche Möglichkeiten bietet der jeweilige Standort im
Hinblick auf das Tourismusgeschäft?
Frage 4: Gibt es vor Ort schon vorhandene Verkaufseinrichtungen ( Kaufladen,
Supermarkt, Wochenmarkt ), die mit genutzt werden können?
Frage 5: Können mögliche "Großabnehmer" ( Krankenhäuser,
Schulen, Kindergärten, Altenheime o.ä. Einrichtungen ) gewonnen
werden ?
Zu B. Wenn die oberen - sicherlich noch zu ergänzenden Fragenkomplexe
mit einem tendenziellen JA! beantwortet werden, wird`s langsam ernst:
jetzt müssen nämlich mindestens zwei geeignete Menschen
gefunden werden, ohne die - früher wie auch heute - ein solches
Projekt nicht auf die Beine gestellt werden kann:
Das
ist zum einen der Mühlenbauer und zum anderen der zukünftige
Mühlenbetreiber sprich Müller oder Müllerin.
Der Mühlenbauer
Hier ist Fachkenntnis gefragt; wir sollten uns also nicht scheuen, den
wirklich erfahrenen, auch weiter entfernt lebenden Fachmenschen anzuheuern.
Um die richtige Wahl zu treffen, sollten dessen frühere Arbeiten/
Aufträge zum Beispiel in Bezug auf Lauffreudigkeit, Langlebigkeit
oder Materialverwendung unter die Lupe genommen werden.
Der Müller / Die Müllerin
Zugegeben, es wird nicht leicht sein, auch hier das "Passende" zu finden,
zumal hier nicht nur die "beinharte Müllerei" gefragt ist, sondern
eher menschlich-kreative und auch pädagogische Fähigkeiten
von Vorteil sind.
(Ich verweise in diesem Zusammenhang ausdrücklich auf meine method.-did.
Anregungen im bezug auf Führungen von Gruppen in Naturkraft-Mühlen
)
Hier ist also im Idealfall der/die Kopfhandwerker/in gefragt, ein Allroundtalent,
das ebenso einen 2t Mühlstein schärfen und auch zur Not ein
Kleinkind behutsam die Treppe hinuntertragen kann.
In diesem Zusammenhang muß allerdings allen Beteiligten folgendes
sonnenklar sein:
Der/ die zukünftige Betreiber/in in der Mühle fängt bei
Null an! Das heißt, ohne Starthilfe ( z.B. eine mind. Zweijährige
Anstellung als Mühlenbetreuer/in evtl. in Kombination mit einem
"passenden" Parallelauftrag ) kann niemand einen solchen Betrieb
aus dem Boden stampfen.
Sollte die Mühlenbegeisterung jetzt noch immer ungetrübt sein,
dann kommen wir jetzt
Zu C. Dem technischen Aspekt
Und noch einmal: erst wenn der wirtschaftliche und der personelle Faktor
eingehend geprüft wurden, geht`s ans Eingemachte, nämlich
der Mühle selbst!
Nehmen wir nun wieder an,daß es sich hierbei um ein mehr oder
weniger vollständiges Exemplar handelt, wo der Zahn der (Ruhe-)
Zeit noch nicht allzu große Schäden hinterlassen hat, d.h.,
wir haben von den unter B. aufgeführten Fachleuten bestätigt
bekommen, daß die Grundsubstanz der Mühle o.k. ist und daß
ihre Re-Aktivierung sich in einem überschaubaren Finanzrahmen bewegen
wird.
Womit fangen wir jetzt an?
Mit dem Blitzableiter oder mit der Eingangstür? Oder erstmal die
Fenster putzen und die Mauselöcher verstopfen?
Erinnern wir uns: die Mühle soll doch ihre ursprüngliche Arbeit
wieder aufnehmen. Daraus folgt: Damit der Mahlbetrieb so bald wie möglich
wieder aufgenommen werden kann, gilt für die nun anstehenden Baumaßnahmen
folgender Grundsatz:
1. Wiederherstellung der Funktionsteile
2.
Ausbesserung der schadhaften Bausubstanz
NICHT ANDERSHERUM!
Die Logik dieser Reihenfolge basiert im wesentlichen auf drei Grundüberlegungen:
1. Wenn die Mühle zuerst nur optisch wieder hergerichtet wird,
hat das schon so viele Finanzmittel verschlungen, daß dann für
die Funktionsteile nichts mehr übrigbleibt.
2. Die "kosmetischen" Arbeiten ( Schönheitsreparaturen ) nehmen
oft sehr viel Zeit in Anspruch; Zeit, in der die Mühle weiterhin
ungenutzt rumsteht und auf der funktionalen Ebene verfällt.
3. Wenn dagegen die erste Investition in die Antriebsteile fließt,
kann die Mühle schon bald ihre Produktion aufnehmen und sich nützlich
machen. Die notwendigen Gebäudereparaturen erfolgen dann nach und
nach.
Jetzt müßte eigentlich alles schon klar sein! Oder ?
Der Zwischenruf "Also erst die Flügel und dann das Dach!" ist im
Prinzip richtig und nicht überhört worden. Doch wir wollen
auch hier nicht den zweiten Schritt vor dem ersten machen:
Die allererste Frage muß jetzt lauten:
Hat die Mühle einen sogenannten "Flautenschieber" ? Also einen
Ersatzantrieb für windstille Tage ( Diesel- oder Elektromotor ).
Ist doch klar! Gesetzt den Fall, es gelingt schon bald, mit einem Bäcker
ins Geschäft zu kommen, dann muß aufgrund regelmäßiger
Liefermengen ein wetterunabhängiger Antrieb zur Verfügung
stehen.
Und das bedeutet: der ( in den meisten Fällen noch vorhandene )
Motor wird grundüberholt, die Antriebsriemen werden ggf. erneuert,
und der Mahlgang wird mit allem, was dazu gehört, in einen arbeitsfähigen
Zustand versetzt.
Der zweiten Frage, die parallel zur ersten geklärt werden muß,
liegt folgende Erkenntnis zugrunde:
Wenn kein Wind weht, kann ich auch kein Getreide hochbefördern,
zumindest nicht mit dem Sackaufzug.
Dieser auch heute noch in modernen Mühlen eingesetzte "Kornaufzug"
befindet sich jedoch nach meinen Recherchen vielerorts in einem völlig
desolaten Zustand, so daß der Einbau eines neuen Aggregats ( in
Holzbauweise ) in Erwägung gezogen werden sollte.
Die dritte Frage, die im Zusammenhang mit den beiden ersten angesprochen
und gelöst werden sollte, lautet:
Obwohl in der ersten Zeit die Vermahlungsmengen sehr gering sein werden
und das Getreide auch in Säcken gelagert werden kann, ist rechtzeitig
der Einbau eines oder mehrerer Silobehälter vorzusehen. Hier und
da sind aber auch schon entsprechende Systeme vorhanden, die dann so
bald wie möglich hergerichtet werden sollten.
So weit, so gut!
Schon nach wenigen Wochen des geballten Arbeitseinsatzes unter sachkundiger
Leitung der unter B. engangierten Fachleute hat ein kleiner ( wenn auch
noch subventionierter ) Betrieb seine Arbeit aufgenommen, wo vorher
alles ausgestorben war. Das ist gut!
Und was noch besser ist: von der für die Mühle schon mal bewilligten
Summe ( siehe Seite 3 ) ist bis jetzt höchstens 1/4 verbraucht
worden.
Aber jetzt...
....
wird`s richtig teuer!
Während aber nun schon mal die ersten Zentner gequetschter Roggen
ausgeliefert werden können und die kleinen Beutel mit Weizenvollkornschrot
über den improvisierten Ladentisch gehen, muß wohl die härteste
( weil teuerste ) Renovierungs-Nuß geknackt werden:
gemeint ist das Thema Flügelkreuz!
Da geht kein Weg dran vorbei.
An der Art die Flügel ist sie am ehesten zu erkennen, die tatsächliche
Zielvorstellung der am Wiederaufbau beteiligten MühlenliebhaberInnen.
An den Flügeln läßt sich am besten ablesen, ab wirklich
ernst gemacht werden soll mit dem Betreiben der Mühle.
Was hat es nun damit auf sich?
Damit nun auch alle die Tragweite der "richtigen Wahl der Flügel"
erkennen, muß das (Mühl)-Rad der Geschickte etwas zurückgedreht
werden:
Überschrift: Das Kreuz mit den Flügeln
Vor gut 100 Jahren, als es in den im damaligen Deutschen Reich sich
drehende 20.000 Windmühlen noch so richtig brummte, wurde zum weitaus
überwiegenden Teil mit folgender Antriebstechnik gearbeitet: mit
der Windrose, welche die Kappe und somit auch die Flügel automatisch
in den Wind dreht, und mit Windklappen, den sogenannten Jalousie-Flügeln.
Letztere erlauben eine Veränderung der Windangriffsfläche
während der Drehung. Sie verstellen sich je nach Winddruck von
selbst, womit zwangsläufig ein gleichmäßigeres Mahlergebnis
erzielt werden kann.
Bei unserem Nachbarland, den Holländern, finden wir zum überwiegenden
Teil Windmühlen, die mit Segelgatter und Steert ausgerüstet
sind. Die eigentlichen Unterschiede zwischen diesen beiden Systemen
zeigen sich in der Handhabung: während die Kombination Klappenflügel/Windrose
fast von allein läuft (Windrose fährt bei Windrichtungsänderung
automatisch nach, und die Klappen passen sich den unterschiedlichen
Windstärken durch Öffnen und Schließen selbsttätig
an), erfordert das reguläre Arbeiten mit dem Segelgatter ein hohes
Maß an technischem Einfühlungsvermögen und eine gute
Wetterfühligkeit.
Der Grund liegt hierfür auf der Hand:
Wenn bei "Voll Zeug" ( d.h., alle 4 Segel sind auf ihrer ganzen Länge
aufgelegt) die kleine dunkle Wolke am Horizont unterschätzt wurde
und urplötzlich eine überaus heftige Bö sich in die Flügel
wirft, dann kann es, weil die Tücher bombenfest auf dem Gatter
liegen und nicht ausweichen können, zum Bruch der Flügel kommen.
Wenn aber statt der kurzen Bö der Wind langsam anschwillt und immer
stärker wird, ist es ratsam zu reffen, d.h., die Segelfläche
zu verkleinern. Weil das aber nur möglich ist, wenn die Mühle
steht, muß diese bis auf Null runtergebremst werden (Kreuzstellung).
Daraufhin wird das Tuch eingerollt, die Bremse wieder gelöst; eine
90° Flügeldrehung, dann Bremse wieder fest, nächstes Tuch
einraffen...
Das Ganze viermal!
Das diese Aktion im Falle eines Falles ziemlich flott geschehen muß,
ist leicht einzusehen.
Aber was passiert, wenn sich der Sturm innerhalb kürzester Zeit
zu einem Orkan steigert und die Bremse nicht mehr hält bzw. droht
heißzulaufen?
Dann gibt es nur noch eins:
Die Kappe in den Wind drehen! Wie? Mit Hilfe des Steerts natürlich!
Aber, liebe Leute, und jetzt kommt`s:
Was ist, wenn unsere Segelgatter-Windmühle keinen Steert hatt???
Wo gibt`s denn sowas? Das werden vielleicht jetzt einige sich fragen.
Antwort: überall, wo recycelte Windmühlen nutzlos rumstehen.
Kaum zu glauben, aber wahr.
Da kann man nur noch mit Herbert Grönemeier fragen:
Was
soll das?
Nun, als ab Mitte der fünfziger Jahre die kleinen Naturkraft-Mühlen
massenhaft stillgelegt und ihre "Innnereien" demontiert wurden, war
der Windantrieb überflüssig geworden und verfiel rasch.
Als dann etwa 25 Jahre später die alte Dorfmühle wiederentdeckt
wurde, befand sie sich verständlicherweise in einem traurigen Zustand.
Insbesondere die - wenn überhaupt noch vorhandenen - Klappenflügel
und deren Zugmechaniken waren stark in Mitleidenschaft gezogen.
Was macht man?
In der festen Absicht, die Mühle - möglichst billig - optisch
wieder herzustellen, ohne sie je betreiben zu wollen, wurden Segelgatterflügel
montiert und die ohnehin schon vorhandene Windrose belassen. Das diese
"Misch-Technik" ein Ding der Unmöglichkeit ist, daran stört
sich offenbar niemand.
Jedenfalls der Erfolg dieser kontraproduktiven Aktion war: die Volksseele
war beruhigt, das Dorf hatte wieder seine alte Silhouette und der Mühlenverein
sein Hobbyzentrum.
"Wenn aber dann das letzte Bier gezapft ist..."
Ich weiß es noch genau: als ich meinen alten Müllerfreund,
dem 92-jährigen gelernten Windmüller Emil Ahrens, von Mühlen
mit Windrose und Segelgatter erzählte, wollte er dies zunächst
nicht glauben. "In so eine Mühle würd`ich keinen Fuß
setzten, geschweige denn arbeiten!"
Jetzt verstehen wir, warum er das gesagt hat, nicht wahr!
Von solchen Erkenntnissen beflügelt, können wir jetzt ganz
anders an die Sache rangehen: ein Blick in den hinteren Teil der Klappe
verrät uns, daß wesentliche Teile des Windantriebs noch vorhanden
sind und noch verwendet werden können. Und weil die vor ein paar
Jahren montierten Segelgatterflügel sich sowieso schon wieder kaputtgestanden
haben, bekommt der sensibelste Teil der Mühle jetzt das beste:
Durchgehende Stahlflügel mit Klappentechnik
Dazu gleich ein wichtiger Hinweis aus eigener Anschauung:
Sobald die Klappenflügel eingebaut sind, müssen die Rücklaufsicherungen
auf ihre Funktionstüchtigkeit unbedingt überprüft werden!!!
Danach geht`s folgerichtig weiter... mit der Instandsetzung der Galerie,
damit Bremse und Klappen betätigt und die erste Besuchergruppe
ohne Sicherheitsbedenken - herumgeführt werden kann.
Es folgen dann alle Teile, die etwas mit dem Windantrieb zu tun haben
( Kammrad, Korbräder, Sackaufzug usw. ).
So, das wär`s jetzt eigentlich schon... fast?! Während unsere
Mühle schon längst von zwei geübten Mäusefängerinnen
durchstreift wird, möchte ich aus gegebenen Anlaß noch einen
Punkt ansprechen:
Thema Bedachung:
Beim Wiederaufbau einer Windmühle ist man zweifellos geneigt -
auch aus denkmalspflegerischen Gründen - diejenige Art der Bedachung
zu wählen, die vorher schon vorhanden war.
Um es vorweg zu nehmen: aus betriebswirtschaftlicher Sicht plädiere
ich hier für die einfachste und vor allen Dingen preiswerteste
Lösung:
Bitumen und Asphaltbahnen auf Holz-Vollverschalung!
Zugegeben, das ist zwar nicht der hübscheste Anblick, aber eine
sehr einfach zu handhabene Eindeckungsart, die man ohne weiteres auch
selbst instand halene kann und somit den Betriebsanforderungen ideal
entgegenkommt.
Ein Reetdach zum Vergleich kostet viermal soviel und ist auch teurer
in der Unterhaltung ( Versicherung ) ganz abgesehen von der Brandgefahr,
die bei der heutigen Vernäh-Technik mit Draht um ein Vielfaches
höher ist als bei anderen Bedachungen.
Ein Wort noch zum Finanziellen:
Die Instandsetzung einer Museumsmühle kostet etwa 250.000.-DM und
mehr ( Die Folgekosten nicht mit eingerechnet).
Um eine betriebsfähige Mühle in der eben beschriebenen Weise
wieder ins Leben zu rufen, reicht für den Anfang gut die Hälfte!
Während die Museumsmühle aufgrund ihrer Versetzung in den
Ruhestand in regelmäßigen Abständen kostenaufwendig
wieder nachgebessert werden muß, wird im zweiten Fall systemgerecht
gehandelt: wir investieren in ein wenig Werkzeug, um es pruduktiv zu
nutzen und kapazitiv auszulasten.
Das macht Sinn!
So, liebe Leute, kommen wir nun zum Schluß:
Ich bin mir natürlich darüber im klaren, daß die von
mir herbeigewünschte, neue Renovierung-Logik je nach den örtlichen
Gegebenheiten hier und da andere Akzente bekommen muß. Einige
Baumaßnahmen müssen gleichzeitig, andere aus Sicherheitsgründen
vorgezogen werden.
Doch eines muß ab heute beim Wieder-Belebungs-Versuch einer Naturkraft-Mühle
unser Leitgedanke sein:
Wer A wie Aufbauen sagt, muß auch B wie Betreiben sagen
Glück
zu
Walter Skau
August 1995