Des Müllers Blumen  


Am Bach viel kleine Blumen stehn,
aus hellen, blauen Augen sehn;
der Bach, der ist des Müllers Freund
und hellblau Liebchens Auge scheint,
drum sind es meine Blumen, meine Blumen

Dicht unter ihrem Fensterlein
da will ich pflanzen Blumen ein;
da ruft Ihr zu, wenn alles schweigt,
wenn sich ihr Haupt zum Schlummer neigt,
ihr wißt ja, was ich meine, ihr wißt ja, was ich meine.

Und wenn sie tät die Äuglein zu
und schläft in süßer Ruh,
dann lispelt als ein Traumgesicht
ihr zu: vergiß, vergiß mein nicht!
Das ist es was ich meine, das ist es, was ich meine.

Und schließt sie früh den Laden auf,
dann schaut mit Liebesblick hinauf;
der Tau in euren Äuglein,
das sollen meine Tränen sein,
die will ich auf euch weinen, die will ich auf euch weinen.

Wilhelm Müller