Der Müller

Müller wurden vom Volke oft nicht sehr hoch geachtet. Da man ohnehin nicht viel von Technik verstand, konnte es bei diesen geheimnisvollen Mechanismen nur mit dem Teufel zugehen. Man gab einen Sack Getreide ab, und bekam viel weniger zurück. Dabei begriff man nicht auf Anhieb, daß Getreidemehl bei gleichem Gewicht ein viel geringeres Volumen hat. Es konnte auch nie genau nachgewiesen werden, ob der Müller nun seinen ihm rechtmäßig zustehenden Anteil genommen hatte oder noch mehr. Da man dem Müller auch Unehrlichkeit unterstellte, sagte man: " In der Mühle ist das beste, daß die Säcke nicht reden können".

Windmühlen standen häufig abseits des Dorfes, und der Müller führte somit ein Leben, welches von der Bevölkerung nicht so ohne weiteres eingesehen werden konnte. Oft mußte er dankbar sein für eine Stunde Wind, die ihm das Wetter bescherte. Daher kam es nicht selten vor, daß sich die Flügel seiner Mühle auch des nachts drehten, wenn rechtschaffende Leute in ihren Betten lagen.

Der Volksmund sagte, daß das Mahlen bei Nacht mit dem Teufel einhergehe. Da der Müller mehr als alle anderen das Wetter beobachten mußte, hatte er im Laufe seines Lebens diesbezüglich viele Erfahrungen gesammelt. Deshalb galt er auch häufig als "Wetterprophet". So umstritten seine Position auch sein mochte, einen so wichtigen Faktor stellte er für die Bevölkerung dar. Der Müller, der als Beherrscher des Windes und des Wasser angesehen wurde, hatte eine gewisse Machtposition.