DGM Mühlen

Geschichte und Gegenwart der Wassermühle Gollmitz

Von Michael Caspers, Berlin

Die Mühlengeschichte von Gollmitz reicht über 600 Jahre zurück. Im Rahmen der ersten urkundlichen Erwähnung des Ortes im Jahre 1296 wird u. a. auch von einer Mühle berichtet, wobei die Informationen hierüber aufgrund des langen Zeitraumes sehr dürftig sind. Der Name der Mühle sowie deren Eigentümer ändern sich im Laufe der Zeit; 1375 wird von der Löwenberg'schen Mühle gesprochen, ab 1452 ist die Mühle im Besitz der Brüder Kerkow.

Die Auswirkungen des 30-jährigen Krieges führten u. a. auch zur vollständigen Zerstörung der Mühle. Erst 1686 erfolgte auf Veranlassung des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm der Wiederaufbau. Das heutige Erscheinungsbild entstand allerdings erst im Jahr 1724, so dass heute das 300-jährige Jubiläum der Wassermühle Gollmitz gefeiert werden kann.

Dem jetzigen Eigentümer der Mühle, Herrn Rogozinski, ist als letzter namentlich bekannter Eigentümer der Mühle sowie des Mühlenteiches die Familie von Arnim bekannt. Der Stammsitz der Familie von Arnim, die zu den bedeutendsten Adelsgeschlechtern der Mark Brandenburg zählte, befand sich seit 1528 bis zur Enteignung sämtlicher Gebäude und Ländereien nach 1945 im nahegelegenen Schloss Boitzenburg.

Ein ebenfalls zur Mühle gehörendes Sägewerk wurde nach Ende des Zweiten Weltkrieges von den sowjetischen Siegermächten demontiert und in deren Heimat verbracht.

Leider sind alle geschichtlich interessanten Unterlagen über das gesamte Mühlengrundstück nach 1945 im Rahmen der Bodenreform verschwunden.

Als Folge der Enteignung ging das Anwesen auf die LPG „Hammer und Sichel“ über.

Nach der Friedlichen Revolution gelang der Familie von Arnim eine Rückübertragung des Mühlenanwesens allerdings nicht, so dass dieses nunmehr von der Treuhand verwaltet wurde. Von ihr ersteigerte Herr Rogozinski das Anwesen und restaurierte das Gebäudeensemble über viele Jahre.

Die Wassermühle Gollmitz verfügt mit einem Zuppinger-Wasserrad von 6 m Durchmesser über das größte Wasserrad nördlich von Berlin. Die Mühle ist mit einem Steinmahlgang, zwei Walzenstühlen, einer Quetsche, einer Schälmaschine, einer Griesputzmaschine und zwei Sichtern ausgestattet. Sie wurde bis 1990 gewerblich betrieben.

Seit 2006 kann im Mühlenmuseum zu Vorführungszwecken wieder Korn gemahlen werden.

Zusätzliche wirtschaftliche Standbeine bilden mehrere Ferienwohnungen. Zudem kann der Mühlenraum für Geburtstage, Jubiläen, Klassentreffen, Vereins- und Seminarveranstaltungen gemietet werden, außerdem werden Brotback- und Bierbraukurse angeboten. Zwecks Durchführung dieser Bierbraukurse war seitens der unteren Denkmalschutzbehörde die Genehmigung zum Einbau eines Bierbraukessels auf der 1 m² großen Fläche des ehemaligen Mühlenfahrstuhles erteilt worden.

Das Wasserrad versorgt nicht nur das Mühlengebäude mit klimaneutralem Strom, sondern erzeugt mehr Energie, als Haus und Hof verbrauchen. Der Wasserstrom wird zur Warmwassererzeugung und zu Heizzwecken über eine Wärmepumpe umgewandelt. Eine Solar- und Biokläranlage komplettieren die Umweltfreundlichkeit des Hauses.