Mühlen im Rheinland

Nordrhein-Westfalen umfasst etwa zwei Drittel Niederungen und ein Drittel Berg- und Mittelgebirgsland. Das Niederungsland wird in der Hauptsache durch die Niederrheinische und die Westfälische Bucht gebildet. Die rechtsrheinische Berglandschaft besteht im wesentlichen aus dem Süderbergland, linksrheinisch löst das Rheinische Schiefergebirge das Niederungsland ab.

Das Gewässernetz ist im Rheinland hauptsächlich auf den Rhein und die Maas, in Westfalen hauptsächlich auf die Ems, Vechte und Weser ausgerichtet.

Die Entwicklung ganzer Industrieregionen, wie der Märkische Kreis oder das Bergische Land, lässt sich - auch heute noch erkennbar - auf typische Standortvorteile zurückführen, die sich aus dem natürlichen Vorkommen von Wasserkraft ergeben. Erhaltene Beispiele wie Hammerwerke, Drahtrollen, Schleifkotten oder auch Holzkohlehochöfen belegen das eindrucksvoll.

Eine Inventarisierung des Gesamtbestandes ist noch nicht abgeschlossen. Nach heutigen Schätzungen wird man aber sicher von über 1000 vollständig erhaltenen Anlagen ausgehen können.

Im Gegensatz zur Wasserkraft hat die Windkraft in NRW nie einen entscheidenden Beitrag zur Industrialisierung des Landes beigetragen. In der Hauptsache diente sie zum Antrieb von Getreidemühlen, vereinzelt auch von Sägegattern und Ölmühlen. Seltener wurden Windmühlen dagegen bei der Entwässerung von Mooren oder zum Pumpen von Sole bei Gradierwerken eingesetzt. Der Niedergang der Windkraftnutzung ist vergleichbar dem der Wasserkraft. Gleichwohl kennen wir in NRW immer noch 370 Windkraftstandorte, die sich verhältnismäßig gleichmäßig über das Niederungsland verteilen, abgesehen von dem Kreisgebiet Minden-Lübbecke. Dort finden wir eine erstaunliche Dichte mit rd. 55 Standorten vor.

Zwar gab es nach 1930 erste Bestrebungen für den Erhalt von Wind- und Wassermühlen, aber erst nach 1970 wurden diese intensiviert.

Gleichzeitig setzte auch ein Bewusstseinswandel ein. Strebte man in der Vergangenheit nur die Erhaltung des "Schönen" an, wasserkraftgetriebene Gewerbebetriebe oder umgerüstete Windmühlen blieben außer acht, so änderte sich nun die Einstellung. Heute wird in Nordrhein-Westfalen die interdisziplinäre Erforschung der Wind- und Wasserkraftanlagen sowie großflächig die Erhaltung aller als Denkmäler bewerteter Standorte betrieben.

 

 

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