Mühlen in Thüringen

Der Freistaat Thüringen liegt in der Mitte Deutschlands. Das "grüne Herz" hat Anteil an drei großen, bewaldeten Mittelgebirgslandschaften: dem Harz im äußersten Norden, dem Thüringer Schiefergebirge im Süden und dem Thüringer Wald. Im äußersten Westen ragen noch Ausläufer der Rhön nach Thüringen hinein.

Nach Lage und Flächenausdehnung, insbesondere aber wegen seiner wertvollen Böden, stellt das Thüringer Becken die zentrale naturräumliche Einheit des Bundeslandes dar, in dem zumeist in Flusstalniederungen auch die Siedlungsschwerpunkte Thüringens liegen. Noch heute werden über 80% der Fläche land- und forstwirtschaftlich genutzt.

Aufgrund dieser Bedingungen entwickelte sich eine vielschichtige und dichtgedrängte Mühlenlandschaft. Etwa 2.500 Wind- und Wassermühlen repräsentieren die Nutzvielfalt dieser technischen Anlagen. Die Wasserkraft von fast 370 kleinen, mittleren und größeren Bach- und Flussläufen sorgte für den Antrieb von Getreide- und Sägemühlen. Aber auch Stampfen für die Ölgewinnung und Papierherstellung wurden eingesetzt, wobei sich hinter dem Sammelbegriff "Stampfmühlen" u.a. auch Hirse-, Graupen-, Gewürz- und Lohmühlen verbergen. Sogenannte Rollenquetschen, d.h. Kollergänge und Walzen, dienten in den Massemühlen und Schwerspatmühlen zum Zerkleinern und Zerdrücken von Mineralien für die Porzellan- und Farbenherstellung.

Knapp 400 Windmühlen dienten fast ausschließlich der Getreidevermahlung. Es waren überwiegend Bockwindmühlen, erst Ende des 18. bzw. zu Beginn des 19. Jahrhunderts kamen in Thüringen auch Turmwindmühlen dazu. Größere Verbesserungen an den Windmühlen, wie der Umbau zu Paltrockmühlen oder der Einsatz von Ventikanten oder Windrädern, wurden in Thüringen nur in ganz wenigen Fällen realisiert. Die Herausbildung mittlerer und größerer Industriemühlen sowie die verbesserte, leistungsfähigere Mühlentechnik trugen zum weiteren Mühlensterben dieser Kleinstmühlen auch in Thüringen bei.

An die frühere Mühlenvielfalt erinnern heute noch einige gut erhaltene Windmühlen sowie eine große Zahl kleinerer wasserkraftgetriebener Getreidemühlen, von denen jedoch nur noch wenige gewerblich genutzt werden.

 

 

 

hoch