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Gelungene Premiere: Wassermühle Kuchelmiß als Klassenzimmer

Von Beate Diederichs - mit freundlicher Genehmigung vom Müritzportal

Mit einem Projekttag startete am 27. September das Projekt Außerschulischer Lernort Mühle in der Wassermühle Kuchelmiß. Dabei erprobten zwei dritte Klassen der Naturpark-Schule Krakow am See unter Anleitung der beiden Mühlenfachleute Karl-Heinz Miertzschke und Eduard Haidl ganz praktisch, wie man aus Getreide Mehl gewinnt: „So entwickeln die Kinder ein Gefühl dafür, wie schwer es früher war, auch einfache Produkte herzustellen, und lernen den Wert von Lebensmitteln zu schätzen.“

Anna, Barbara, Jannik, Johannes, Tim und die anderen Schüler der Klasse 3 b können es kaum erwarten: In Zweierreihen drängen sie sich im ersten Stock der Wassermühle Kuchelmiß, eines Technischen Denkmals. Am Reihenanfang zerreiben die ersten beiden Kinder Getreidekörner, bis das ersehnte weiße Pulver erscheint: Mehl! „Puh, das ist ja anstrengend“, meint das erste Paar und reicht das Gefäß an das nächste weiter. „Ich will auch mal“, ist mehrfach von hinten zu hören. Klassenlehrer Robby Schwarz beruhigt seine 23 Schützlinge: „Jeder kommt dran!“ Das Handmahlen unter Anleitung von Karl-Heinz Miertzschke ist für die 3 b der Naturpark-Schule Krakow am See die letzte Aktivität des Projekttages „Vom Korn zum Brot“. Ihre Parallelklasse, die 3a, ist mit Miertzschkes Kollegen Eduard Haidl und Klassenlehrerin Marita Eilrich auf dem Außengelände beschäftigt.

In ein paar Minuten werden sich die Kinder zum Abschlussfoto aufstellen und dann zurück zum Bus laufen, der sie wieder zur Schule bringt. „Man sieht, dass ihnen vor allem die praktische Arbeit Spaß macht“, sagt Robby Schwarz. Anna, Barbara und Jannik nicken. Am Ende wird jede der beiden Klassen eine Handvoll Mehl produziert haben. „Hundert Gramm können es schon sein“, meint Eduard Haidl. „Nach einer Einführung zur Müllerei für alle, die auf dem Außengelände stattfand, haben wir klassenweise gearbeitet und den Schülern an praktischen Beispielen gezeigt, wie eine Mühle funktioniert und wie ein Mahlgang abläuft. Die dritte Klasse hat ein gutes Alter für dieses Thema. Die Kinder sind wissbegierig und fragen viel. Und dafür, dass die Gruppen so groß waren, ist doch alles relativ friedlich über die Bühne gegangen“, berichtet Karl-Heinz Miertzschke. Eigentlich wollte man für jede der beiden Klassen einen separaten Projekttag organisieren, was sich aber kurzfristig in diesem Fall nicht einrichten ließ. Arbeitet man in kleineren Gruppen, kann man natürlich auf jedes Kind mehr eingehen und es bleibt mehr vom Gelernten hängen. Zehn Schüler wären eine gute Gruppenstärke, meinen die beiden Mühlenfachleute.

„Wir sind Pioniere“

Der Projekttag „Vom Korn zum Brot“ in der Wassermühle Kuchelmiß am Vormittag des 27. September eröffnet das neue Projekt Außerschulischer Lernort Mühle in MV. Dieses wurde von der Deutschen Gesellschaft für Mühlenkunde (DGM) und dem Mühlenverein Mecklenburg-Vorpommern initiiert und wird jeweils mit örtlichen Partnern umgesetzt. In diesem Fall sind das die Naturpark-Schule Krakow, deren Leiterin Heike Watzke heute ebenfalls vorbeischaute, und die Gemeinde Kuchelmiß, der das Technische Denkmal Wassermühle gehört.

Die Themen der Projekttage gibt der Rahmenplan für Grundschulen Mecklenburg-Vorpommerns vor. Außerschulische Lernorte bieten den Schülern, wie der Name schon sagt, die Möglichkeit, außerhalb der Schule selbst zu lernen. „Da wir die erste Aktivität innerhalb des Projekts durchführen, sind wir Pioniere!“ so Miertzschke, gelernter Maschinen- und Mühlenbauer, der zwei einschlägige Fernstudiengänge absolviert hat, und Haidl, der eine Ausbildung zum Müller abgeschlossen und später Getreidewirtschaft studiert hat.

Die beiden Fachleute, die nun im Ruhestand sind, wollten gerne die Arbeit des Mühlenvereins, den es an der Wassermühle mal gab, fortsetzen und das Potential des Technischen Denkmals weiter vermitteln. „Wenn es um Mehl und Brot geht, haben die Kinder immer zwei Fixpunkte: den Mähdrescher – und das Regal im Supermarkt. Wir zeigen ihnen hier, welche Schritte dazwischen liegen“, betont Karl-Heinz Miertzschke. „Es geht uns auch darum zu demonstrieren, wie viel Arbeit früher in die Herstellung relativ einfacher Produkte wie des Mehls investiert werden musste, und so Verständnis für die Wertigkeit von Lebensmitteln zu wecken“, fügt Eduard Haidl hinzu.

Der erste Projekttag wird in der Schule nun zunächst ausgewertet. Danach hoffen die beiden Mühlenfachleute auf weitere Veranstaltungen dieser Art, entweder mit der Naturpark-Schule oder anderen Institutionen, die vielleicht auch über den Mühlenverein den Weg zu ihnen finden. Dabei liegt der Schwerpunkt auf den Schulen. „Man könnte zum Beispiel in Kooperation mit den Physiklehrern an den Stoff aus dem Physikunterricht anknüpfen und so auch ältere Schüler erreichen.“ Diese Veranstaltungen wären dann als ein Baustein für ein eventuelles museales Nutzungskonzept des Technischen Denkmals vorstellbar. Zudem könnte man in anderen Mühlen in Mecklenburg-Vorpommern ähnlich tätig werden wie bei dem Projekttag in Kuchelmiß und auch sie damit als Außerschulisch Lernorte erschließen.