Denkmalgeschützter Mühlenteich in MV soll geplanter Fischtreppe weichen
Dobbin-Linstow (cme). Unter der Überschrift: „Um jeden Preis? Eine Fischtreppe sorgt für Ärger. In Dobbin-Linstow laufen die Kosten für eine Fischtreppe aus dem Ruder“ hat es das Projekt bereits ins Schwarzbuch des Steuerzahlerbundes geschafft. Auf der jüngsten Jahrestagung des Mühlenvereins Mecklenburg-Vorpommern berichtete Oda Lührs vom Denkmalnetz MV vor rund 40 anwesenden Mitgliedern im Gutshaus Linstow über den aktuellen Stand.
Nicht zum ersten Mal stand die Umsetzung der Europäische Wasserrahmenrichtlinie auf der Tagesordnung des Mühlenvereins MV und seiner 72 Mitglieder. Denn auch anderswo wird Wassermüllern und der kleinen Wasserkraft damit buchstäblich das Wasser von Landesbehörden abgegraben, die Gebäude gefährdet und der Denkmalschutz untergraben.
In Dobbin-Linstow besteht allerdings für die Wassermühle kein Wasserrecht mehr. Hier dreht sich alles um den Mühlteich, der im Natura 2000-Schutzgebiet liegt und jetzt zugunsten des Verlaufs einer 4,2 Millionen Euro teuren Fischtreppe verschwinden soll. Dabei gibt es eine nur 500.000 Euro teure Alternative zum Vorhaben des MV-Ministeriums für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt.
Es fing alles mit einem Bodenordnungsverfahren an, berichtete Oda Lührs. Ziel war es, Flächen für eine Fischtreppe zu sichern. Das damit das Gesamtensemble mit historischer Wassermühle, der Nebel, Mühlteich und einen Auenwald in Gefahr geraten könnte ahnte anfangs niemand. Doch die zuständigen Behörden planten und heraus kamen drei Varianten.
Kritiker: Fischtreppe ja, aber Teich soll bleiben
Richtig ist: Bei Dobbin staut eine Wehr den Fluss Nebel zu einem Teich. Das Wehr behindert die Fische am Durchwandern. Die EU-Richtlinie möchte aber bis 2027, dass Flüsse für Fische durchwanderbar sein müssen. „Dass eine Fischtreppe gebaut wird, ist nicht das Problem“, stellt Oda Lührs klar. Doch dass „nach rund 450 Jahren der Mühlenteich ohne Not trockengelegt werden soll“ wollen die engagierte Frau und ihre Mitstreiter - zu denen auch der Besitzer der Wassermühle Dobbin zählt - nicht akzeptieren. Die Wassermühle und auch das Freiwehr am Ausgang des Mühlenteiches sind übrigens eingetragene Baudenkmale. Auf den Umgebungsschutz inklusive des Mühlenteiches wurde durch eine ausführliche Stellungnahme des Mühlenvereins MV im August 2025 explizit hingewiesen. Die Denkmalbehörde hatte 2025 den Teich als Teil der Mühlenumgebung sogar unter Denkmalschutz gestellt.
Der idyllisch gelegene Mühlteich war zuvor im Zuge des Verfahrens im Jahr 2022 für rund 900.000 Euro ausgebaggert und damit entschlammt worden. Eine Fischtreppe bauen und gleichzeitig den Mühlenteich erhalten – „dieses war Ansinnen und sogar Voraussetzung für eine Plangenehmigung im Jahr 2016“, unterstreicht Oda Lührs.
Mühlenteich erst entschlammt, nun soll das Gewässer weichen
Von ursprünglich drei geprüften Varianten stehen derzeit noch zwei zur Diskussion. Besonders umstritten ist die Vorzugsvariante B der Behörden. Diese sieht vor, die Fischtreppe durch den Mühlenteich zu führen, was dessen Trockenlegung zur Folge hätte. Demgegenüber steht Variante C, bei der die Fischtreppe umlaufend im Teich mündet. Ein vom Petitionsausschuss des Landtages beauftragter unabhängiger Sachverständiger bestätigte, dass Variante C sowohl weniger eingriffsintensiv als auch kostengünstiger sei.
Ministerium zweifelt unabhängiges Gutachten an
Doch das Landesministerium und seine Behörden beharren auf ihren Plänen und zweifeln sogar die Expertise des Sachverständigen an, ohne zu erklären, weshalb. Es sei fraglich, „ob sich ein Ingenieur aus Thüringen überhaupt mit den Gewässern des norddeutschen Tieflandes auskennt“, hieß es.
Die Begründung des Landwirtschaftsministeriums für den Rückbau des Mühlenteiches ist: Dass es im Mühlenteich durch die Anstauung zu einer Sauerstoffarmut kommt, welche ein Wanderhindernis für die Fische darstellt. Dagegen steht die Aussage des Sachverständigen des Petitionsausschusses: "Der niedrige Sauerstoffgehalt der Nebel im Bereich ist wesentlich hervorgerufen durch das Dobbiner Moor. Der Mühlteich verstärkt diesen Effekt vermutlich in geringem Umfang, hierzu liegen jedoch keine belastbaren Meßwerte vor (Meßkette Nebel: Linstow – Moor- Mühlenteich - Zulauf zum Krakower Obersee – Krakower Oberssee)."
Anwohnerin: Argumente des Ministeriums nicht stichhaltig
Als Anwohnerin erläutert Oda Lührs klar ihre Meinung: „Die Fischtreppenvariante C beginnt im alten Zulauf der Fischzucht, zirka im westlichen Drittel des Mühlenteiches. Durch Bau der Variante C wird sich das Fließverhalten des Wassers vollständig ändern und ein Teil der Sedimente wird über die Fischtreppe abgeführt. Der Sauerstoffgehalt wird durch das Fließen von Wasser aus dem Mühlenteich in die Fischtreppe und dass Weniger an Schlamm im Mühlenteich durch die erfolgte Ausbaggerung und durch das Abführen von Schlamm über die Fischtreppe immer besser sein als jetzt.“
Jetzt beschäftigt sich ein Gericht mit dem Fall. Denn ein Streiter für den Erhalt des Teiches hat Klage eingereicht. Der Bau der umstrittenen Fischtreppe hat noch nicht begonnen. „Aber gut 20 Bäume am Mühlenteich wurden unlängst schon gefällt“, bedauert Oda Lührs vom Denkmalnetz MV.
Bei den anwesenden Mitgliedern des Mühlenvereins MV in Linstow sorgte der Bericht für Stirnrunzeln und Unverständnis. Sie machten sich auch vor Ort an der Wassermühle Dobbin ein eigenes Bild zum umstrittenen Projekt. „Zum Kulturgut Mühle gehört immer auch das Umfeld. Bei Wassermühlen wird dies durch den Mühlenteich geprägt. Wir rufen die Behörden auf, hier einen guten Kompromiss zu suchen. Mit Variante C liegt nach unserer Einschätzung ein gangbarer und kostengünstigerer Weg auf dem Tisch“, so Jan Bauditz, der Landesvorsitzende des Mühlenvereins MV.
Übrigens: Seit dem Jahr 2014 hat das Land Mecklenburg-Vorpommern bislang insgesamt 23 Millionen Euro für den Bau von Fischtreppen ausgegeben, weitere zwölf Millionen. Euro sind bereits verplant.
